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Digital-Studie: Mittelständler halten an starren Hierarchien fest

·    Unternehmen sehen Handlungsbedarf bei internen Strukturen – kultureller Wandel bleibt
     aber noch aus
·    ITK und Finanzsektor am besten vorbereitet, produzierendes Gewerbe weit entfernt von
     Industrie 4.0

Hamburg, 16. Februar 2015 – Die digitale Transformation stellt Deutschlands Mittelständler vor große Herausforderungen – und stellt bestehende Unternehmensprozesse gründlich auf den Kopf. So erwarten 82 Prozent der befragten Topmanager, dass sich die interne Kommunikation deutlich beschleunigen wird. Vier von fünf sind überzeugt, dass der Wissenstransfer eine Schlüsselrolle spielen wird. Drei Viertel halten außerdem ein Zusammenrücken der IT mit anderen Abteilungen für notwendig. Doch die wenigsten Unternehmen haben auf diese Herausforderungen bereits reagiert – stattdessen wird an Hierarchien und alten Strukturen festgehalten. Dies sind Ergebnisse der Studie „Digitale Transformation und ihre Auswirkung auf die Führung im Mittelstand“ der Personalberatung InterSearch Executive Consultants, für die 400 Topmanager aus mittelständischen Unternehmen ab 100 Mitarbeitern befragt wurden.

Die digitale Transformation hat aus Sicht der deutschen Mittelstandsmanager großen Einfluss auf die internen Unternehmensprozesse. Als größte Herausforderungen werden eine schnellere interne Kommunikation und Wissenstransfer genannt (jeweils etwa 80 Prozent). Dahinter folgt die stärkere Zusammenarbeit der IT-Abteilung mit anderen Unternehmensbereichen (73 Prozent). Zwei Drittel der Manager sehen außerdem eine Veränderung in Entscheidungsprozessen: Diese werden deutlich häufiger „data-driven“, also datenbasiert sein. 62 Prozent sind der Ansicht, dass komplett neue Jobprofile im Unternehmen entstehen. Die Mehrheit geht außerdem davon aus, dass das Arbeiten im Sinne von „anywhere – anytime“ flexibler wird (57 Prozent).  Bestehende Hierarchien werden sich dagegen nicht ändern, prognostiziert mit 55 Prozent die Mehrheit der Manager. Keine Überraschung ist es daher, dass die Unternehmen bisher wenig tun, um die Strukturen aufzubrechen. Ausnahmen sind der Finanzsektor und die Gesundheitswirtschaft – hier haben zwei von fünf Firmen erste Personalentwicklungsmaßnahmen in diese Richtung ergriffen.

„Das eine wird es ohne das andere nicht geben. Die Unternehmen können nicht erwarten, dass die Arbeitskultur dynamischer wird – die Hierarchien aber so bleiben wie sie sind“, sagt Julia Böge, Client Partner der Personalberatung InterSearch Executive Consultants. Das bedeutete keinesfalls, dass die Mittelständler jetzt eine Start-Up-Mentalität einführen sollen, bei der zum Beispiel alle Mitarbeiter den Chef duzen dürfen. „Es geht darum, eine Brücke zu schlagen und die Vorteile aus bewährten und neuen Modellen zu vereinen. Der Firmenchef kann seine Autorität behalten – doch das Unternehmen muss Führungskräfte unterstützen, über Strukturen hinweg zu agieren, ihre Mitarbeiter in Entscheidungen zu involvieren und themenbezogen in Projektorganisationen zu arbeiten. Sonst werden es die Firmen schwer haben, Fach- und Führungskräfte zu finden, die die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens sichern“, so Böge.

Digitaler Wandel im Unternehmensalltag vielfach noch nicht angekommen

Nicht nur beim Thema Führungsstrukturen halten sich die Mittelständler mit Veränderungen zurück – auch die identifizierten Top-Herausforderungen für die internen Prozesse werden nicht konsequent angegangen. So ist in weniger als einem Viertel der Firmen die Organisationsstruktur bereits so gestaltet, dass Abteilungen wie Produktion oder Marketing eng vernetzt mit der IT zusammenarbeiten können. Bei den Finanzdienstleistern ist der Anteil mit einem Drittel überdurchschnittlich hoch – im Produzierenden Gewerbe besonders niedrig (19 Prozent). Aktives Knowledge-Management mithilfe einer IT-gestützten Wissensdatenbank betreiben gerade einmal 17 Prozent. Hier liegen ITK- und Finanzbranche mit jeweils etwa 25 Prozent vorn, Schlusslicht ist auch hier das Produzierende Gewerbe. Ebenfalls erst 17 Prozent fördern branchenübergreifend eine schnelle interne Kommunikation mit Social Media Tools wie etwa Yammer. Hier ist der Handel mit 31 Prozent Branchen-Vorreiter, im Anlagen- und Maschinenbau spielen solche Anwendungen fast gar keine Rolle (3 Prozent).

„Gerade die Industrie, in der es auf Innovationen und Schnelligkeit ankommt, hat beim Thema digitale Transformation den größten Handlungsbedarf. Wird hier nicht umgehend ein kultureller Wandel eingeleitet, muss das Projekt Industrie 4.0 im deutschen Mittelstand scheitern“, sagt Julia Böge von InterSearch Executive Consultants. „Die Unternehmen brauchen in ihren Schlüsselpositionen dringend Manager, die sich nicht scheuen, alte Strukturen aufzubrechen.“

Hintergrundinformation

Ende 2014 führte die Personalberatung InterSearch Executive Consultants eine Befragung zum Thema „Digitale Transformation und ihre Auswirkung auf die Führung im Mittelstand“ durch. 400 Topmanager aus Unternehmen ab 100 Mitarbeitern wurden für die Studie online befragt. Durchführendes Marktforschungsinstitut: respondi AG.

Auf Anfrage erhalten Sie Infografiken mit den detaillierten Umfrageergebnissen.


Über InterSearch Executive Consultants

InterSearch Executive Consultants sind spezialisiert auf die Rekrutierung von Führungskräften und systematische Analysen des Führungskräftepotenzials (Management Audit) insbesondere mittelständisch geprägter Unternehmen. Die 1985 unter dem Namen „MR Personalberatung“ gegründete Gesellschaft ist in Deutschland mit drei Standorten in Hamburg, Frankfurt und München vertreten und beschäftigt insgesamt mehr als 30 Mitarbeiter. InterSearch Executive Consultants gehört zum weltweit agierenden InterSearch-Netzwerk mit mehr als 100 Standorten in über 50 Ländern. Im FOCUS Deutschland-Vergleich wurde InterSearch Executive Consultants auf Basis einer unabhängigen Datenerhebung zu einem der „Top Personaldienstleister 2014“ in der Kategorie Executive Search gewählt.

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Pressekontakt: Thomas Bockholdt   Tel.: +49 40 46 88 42 0