„Executive Search muss neue Technologien als Chance begreifen“ – Gespräch mit Klas Karlsson (Talentia AB, Schweden)

„Executive Search muss neue Technologien als Chance begreifen“ – Gespräch mit Klas Karlsson (Talentia AB, Schweden) 1920 1440 InterSearch International

Die Zukunft von Executive Search in Schweden und anderen westeuropäischen Ländern steht vor großen Veränderungen. Viele dieser Entwicklungen wurden durch den radikal veränderten Arbeitsalltag, forciert durch die Corona-Pandemie und den daraus resultierenden Einschränkungen bei Reisen und Meetings, beschleunigt. Neben flexibleren Remote-Work-Modellen scheint die Arbeitswelt insbesondere im Bereich Digitalisierung einen großen Sprung gemacht zu haben. Klas Karlsson, Executive Search-Berater in Stockholm und CEO von Talentia AB sieht die Herausforderungen für Personalberater:innen – ähnlich wie bei ihren Kund:innen – in der frühzeitigen Identifikation von technologischen Entwicklungen.

Professionelle Social Networks verändern sich ständig – Executive Search muss dranbleiben

Karlsson ist überzeugt, dass ein/e exzellenter Headhunter:in sich nicht alleine auf das eigene Netzwerk und Verhandlungsgeschick verlassen kann, sondern technologische Entwicklungen im Auge behalten muss. Besonders die Entwicklung sozialer Netzwerke sieht er als entscheidend an: „Alle Executive Search-Berater:innen arbeiten mit LinkedIn. Das sind die Basics. Aber übersehen wir da vielleicht Talente?“ Jede Personalberaterin und jeder Personalberater müsste sich bewusst machen, dass bereits jetzt Kandidat:innen durch das Raster fallen könnten, weil sie nicht auf LinkedIn angemeldet sind. Um wettbewerbsfähig zu bleiben und die Early Adopter neuer Technologien zu erreichen, muss ein Recruiting-Unternehmen daher vorhersehen, wohin die Reise geht. „LinkedIn hat heute bereits einige Funktionen übernommen, die Facebook früher erfüllte. Man tauscht sich dort auch vermehrt über persönliche Themen aus und interagiert mit privaten Kontakten.“ Es sei also möglich, dass in naher Zukunft ein neues Netzwerk entsteht, das sich noch stärker von privaten Netzwerken abgrenzt und in dem eine vielversprechende Führungskraft zukünftig zu finden sei. „Genau diese Entwicklungen müssen wir mitgestalten und nicht bloß darauf reagieren.“

Der Beratungsprozess wird transparenter – und beginnt früher

Die zunehmende Technologisierung des Recruiting-Marktes begreift Karlsson als eine Chance für Executive Search-Unternehmen, an anderen Stellen intensiver in die Beratung ihrer Kundinnen und Kunden einzusteigen – weg von der „reinen Transaktion“. Man müsse Expansionsaktivitäten zumindest antizipieren, wenn nicht sogar mit initiieren. Dazu gehört es auch, etablierte Annahmen von Kund:innen infrage zu stellen und auch Kandidaten ins Rennen zu bringen, die vielleicht nicht schon in genau derselben Position bei einem Wettbewerber tätig sind. Junge Talente und Quereinsteiger:innen zu entdecken, die unerwartete Wege einschlagen, sei Teil dieser Entwicklung. „Wir Recruiterinnen und Recruiter müssen Kund:innen aktiver im Entscheidungsprozess unterstützen, indem wir ihnen Insights und Daten zur Verfügung stellen – sowohl qualitative als auch quantitative – bevor wir mit der Suche beginnen. Möglicherweise raten wir sogar von einer traditionellen Suche ab und empfehlen eher den Erwerb eines Unternehmens und unterstützen die Kund:innen dann beim Due-Diligence-Prozess.“ Auch wenn große Unternehmen und Konzerne bereits Insight-Abteilungen haben, die eine große Datenmenge überblicken, sieht Karlsson für die Executive Search in Zukunft einen stärkeren Fokus auf quantitative Daten voraus, die nicht nur das Individuum betrachten, sondern auch große Trends und Entwicklungen. „So können wir direkt auf Unternehmen – vor allem mittelständische Unternehmen – zugehen und ihre Bedürfnisse kennen, bevor sie uns beauftragen.“

Vor allem die Startup- und Gründerszene verlangt Flexibilität von Recruitern

Generell unterstreicht Karlsson die Bedeutung von Flexibilität für die Arbeit mit dem Start-up-Sektor und der Gründerszene. Dies beträfe auch etablierte Honorar-Strukturen. „Dabei geht es nicht darum, einen „Billigpreis“-Ansatz voranzutreiben, sondern flexible Fee-Strukturen zu entwickeln, die der Realität von jungen, agilen Unternehmen entsprechen. Möglich ist zum Beispiel eine Kombination aus Cash und Equity, also einer zumindest teilweisen Aktienvergütung.“ Althergebrachte Maßstäbe, die bei großen Konzernen vielleicht funktionieren, ließen sich laut Karlsson nicht so einfach auf Start-ups anwenden. Der Vorteil eines internationalen Netzwerks wie InterSearch sei dabei nicht zuletzt die Möglichkeit, gemeinsam innovative Ansätze zu entwickeln und von Partnerinnen und Partnern in anderen Ländern zu lernen. „Ich bin begeistert davon, was beispielsweise unsere indischen Kolleg:innen machen, das sind echte Entrepreneur:innen. Denen stehe ich in diesem Aspekt definitiv näher als manchen Firmen hier in Schweden.“

Klas Karlsson

Klas Karlsson ist Gründer und CEO des schwedischen Executive Search Unternehmens Talentia AB. Das Unternehmen setzt seit 1999 im schwedischen Executive Search Markt auf proaktives Recruiting und hat Niederlassungen in Stockholm, Göteborg und Malmö. Talentia AB ist seit 2015 Mitglied im weltweiten InterSearch Netzwerk.


Schweden in Zahlen:

BIP: 537,61 Mrd. USD
Wirtschaftswachstum ca. -2,8%
Pro-Kopf-Jahreseinkommen: 51.796 USD
Inflationsrate: 0,7 % im Vergleich zum Vorjahr
Arbeitslosenquote: 8,3%
Erwerbsquote: 82,6% (EU Platz 1)

Quelle: Statista 2019

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