„So funktioniert Leadership in der Krise“

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Was sind die wichtigsten Leadership Skills in der Krise?

Strategisch, agil und vorausschauend sollten sie agieren; wichtigen Entscheidungen auch bei nicht 100%iger Informationslage treffen können und außerdem andere überzeugend und motivierend mitnehmen. Das sind laut Karsten Wolff, Senior Client Partner bei InterSearch Executive in Hamburg, die wichtigsten Leadership-Skills. Exzellente Führungskräfte, sagt Wolff, müssten sich in der Krise nur marginal anpassen: „Weil sie eigentlich alle Fähigkeiten, die man im Krisenmanagement benötigt, im Idealfall schon besitzen.“ Der Executive Search-Berater sieht Resilienz, Ruhe und Stressresistenz als weitere entscheidende Eigenschaften von ausgezeichneten Führungskräften. In ihrer „gelebten Vorbildfunktion“ könnten Manager:innen ihren Angestellten in unsicheren Zeiten eine wichtige Orientierung bieten und damit auch in Krisen effizient führen.

Die richtige Kommunikation in Krisenzeiten

In einer Ausnahmesituation ist die richtige Kommunikation das A und O. Bei Unzufriedenheit mit dem Arbeitsumfeld ist mangelnde Kommunikation eines der am häufigsten angeführten Probleme von Arbeitnehmer:innen. Daher ist es unerlässlich, dass Führungskräfte ihre Angestellten zeitnah und regelmäßig über den Status quo informieren. Es geht darum, ehrlich und auf Augenhöhe zu kommunizieren und gegebenenfalls auch negative Nachrichten zu vermitteln. „Gut informierte Mitarbeiter:innen bringen meistens auch für schlechte Entwicklungen Verständnis auf“, erklärt Wolff. Dabei soll die Information maßgeschneidert auf den Empfänger sein. Entweder ist sie für den Job der Person oder aber für das ganze Unternehmen relevant. Ist das Team durch Homeoffice-Regelungen nicht am gleichen Ort versammelt, ist es sinnvoll regelmäßig – beispielsweise wöchentlich – Teammeetings abzuhalten, um alle auf den neuesten Stand zu bringen.

Resilienz vorleben, Sicherheit vermitteln und motivieren

Internationale Krisen mit unsicheren Zukunftsaussichten können Angestellte verunsichern und sich negativ auf ihre Motivation auswirken. Hier können Manager:innen, die eine „Hands-on-Mentalität“ an den Tag legen, und beispielsweise auch mal in der Produktion einspringen, laut Wolff sehr motivierend für ihre Angestellten sein. Die Vorbildfunktion von Führungskräften ist für Wolff besonders relevant. Sie hätten die Möglichkeit ihren Mitarbeiter:innen Resilienz vorzuleben und mit der nötigen Empathie und Verlässlichkeit allen ein Gefühl von Sicherheit zu geben. Wolff betont: „Man muss zeigen, dass das Unternehmen sich kümmert, das können auch kleine Gesten oder Hilfestellungen sein.“

Krisenzeiten verlangen nicht nur von Manager:innen außergewöhnliche Kraftanstrengungen, daher ist es wichtig, besondere Leistungen der Belegschaft auch entsprechend zu honorieren. Wolff selbst hat mit Ad-Hoc-Prämien sehr gute Erfahrungen gemacht. „Das kann zum Beispiel ein kleiner Urlaub sein, über den sich die Mitarbeiter:innen besonders freuen. Um das richtig einzuschätzen, muss man seine Angestellten allerdings gut kennen“, präzisiert er. Generell profitierten Unternehmen von selbstbewussten Mitarbeiter:innen, die Verantwortung übernähmen. Dafür sei es aber auch notwendig, dass Führungskräfte diese Verantwortung übertrügen und ihren Angestellten vertrauten. Wolff erläutert: „Dazu gehört auch, ihnen nicht alle Entscheidungen abzunehmen und ständige Rückdelegationen zu vermeiden.“

So bereiten Führungskräfte ihr Unternehmen proaktiv auf Krisen vor

Auch Manager müssen Urlaub nehmen – das klingt selbstverständlich, wird laut Wolff aber nicht in allen Unternehmen durchgesetzt. Dabei sei es unerlässlich, Ruhezeiten und Urlaubszeiten einzuhalten, um insbesondere auch in Krisen einsatzbereit und belastbar zu sein. Dies ist nur eine Möglichkeit, sich proaktiv auf Krisen vorzubereiten. Wer im Ernstfall handlungsfähig sein will, muss in ruhigen Zeiten bereits Vorkehrungen treffen. Für Wolff liegen dabei einige Punkte auf der Hand: „Führungskräfte müssen zeitnah die „technischen“ Voraussetzungen wie Hardware (z.B. Laptops, Server, Mobiles),  Software, Backups, Zugangsberechtigungen und auch Vorkehrungen für den Datenschutz schaffen und ihre Mitarbeiter:innen entsprechend im Umgang damit schulen. Besonders wichtig ist laut Wolff auch die Festlegung einer klaren Vertretungsregelung für alle Stakeholder, bei der auf keinen Fall die entsprechende Schulung der Vertreter vergessen werden darf. Ebenfalls als sinnvoll erachtet er die Aufstellung eines Notfallplans, der verschiedenen Krisenszenarien in Betracht zieht. „Bei der Erstellung kann beispielsweise ein Arbeitskreis aus verschiedenen Bereichen des Unternehmens zusammenarbeiten“, schlägt Wolff vor.

Der Blick in die Zukunft: Darauf sollten sich Manager:innen jetzt fokussieren

Retention Management sieht Wolff als einen der wichtigsten Aspekte für die zukünftige Personalstrategie von Unternehmen. „Wir haben aktuell einen Kandidatenmarkt. Insbesondere hochqualifizierte und anpassungsfähige Angestellte können auch schnell weg sein, wenn sie im Unternehmen keine Perspektive sehen und/ oder sich falsch behandelt fühlen“, warnt Wolff. Durch die richtigen Maßnahmen können Mitarbeiter aber nachhaltig an das Unternehmen gebunden werden. Wolff zählt dazu größere Flexibilität bei Arbeitszeitmodellen sowie respektvolle und effiziente Kommunikation auf Augenhöhe. „Das Unternehmen muss kommunizieren „Wir brauchen dich!“, im Zweifelsfall auch in Einzelgesprächen. Die Zeit sollte man sich nehmen, denn das kann extrem motivierend sein“, so Wolff. Führungskräfte sollten außerdem die entstehenden Chancen ergreifen, auch „alte Hüte“ zu entsorgen und vor allem wichtige Entscheidungen vorab in die Wege leiten und nicht erst, wenn die nächste Krise schon vor der Tür steht.

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